Was ist Freiflächen-PV?
Freiflächen-PV sind Solaranlagen, die nicht im Zusammenhang mit Gebäuden geplant und realisiert werden. Dazu zählen klassische Solarparks ebenso wie innovative Formen wie Agri-PV (Energie und Landwirtschaft gleichzeitig), Floating-PV (auf Gewässern) oder Parkplatz-PV – um nur die Wichtigsten zu nennen. Unsere Illustration zeigt nicht nur die unterschiedlichen Modelle, sondern auch die Bandbreite der Umsetzungsmöglichkeiten, die sich daraus ergeben.
Diese beiden Standorte sind prädestiniert für die Gewinnung von Solarenergie auf Freiflächen. Durch ihre Topographie und Oberflächengestaltung können Solarmodule optimal ausgerichtet werden und so einen optimalen Ertrag erzielen. Für die Gründung sind heute keine Betonfundamente mehr erforderlich, es reichen häufig Ballaststeine oder spezielle Verankerungssysteme, die sich mit der Rekultivierungsschicht verbinden und sich der natürlichen Bewegung der Deponien anpassen. Die Oberflächenabdichtung wird dadurch nicht tangiert. Halden und Deponien sind oft Refugien für Fauna und Flora. Mit einer breiten Aufständerung und der Anlage von Ersatzbiotopen kann auch dem Arten- und Naturschutz Rechnung getragen werden. Nach Inbetriebnahme der Anlage finden außer Pflegemaßnahmen keine Störungen mehr statt, so dass sich Habitate zielgerichtet entwickeln können. Durch die Einzäunung der Anlage, werden Außeneinflüsse begrenzt.
Sofern ein Standort für die Gewinnung von Solarenergie aus der Nutzung genommen wird, können durch gezielte Pflegemaßnahmen Lebensräume für Flora und Faunageschaffen werden. Je nach Standortbedingungen können so höherwertige Biotoptypen entstehen, die auch als Ausgleichsflächen genutzt werden können. Auch Verkehrslandeplätze und Flughäfen können unter geeigneten Voraussetzungen Standorte für Biodiversitäts-PV sein. Dabei sind insbesondere die Anforderungen des Flugbetriebs, des Arten- und Naturschutzes sowie die jeweiligen Standortbedingungen zu berücksichtigen.
Die Solaranlage auf dem Carport gehört heute schon zum modernen Standard von neuen Einfamilienhäusern. Diese Doppelnutzung von Flächen, die für Autos vorgehalten werden müssen, lässt sich auch auf größere Flächen übertragen. Parkplätze bei Einkaufsmärkten, Unternehmen oder Messen lassen sich mit speziellen Konstruktionen überdachen und führen zu einer zusätzlichen Stromerzeugung, die für das Laden von E-Autos oder dem eigenen Stromverbrauch genutzt werden kann. So schaffen sie einen zusätzlichen Nutzen trotz des hohen Flächenverbrauchs und bieten des weiteren Schutz vor der Witterung und Hitzetagen. Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Überdachung aus CO2-bindenen Werkstoffen, wie z.B. Holz, hergestellt wird.
Landwirtschaftliche Flächen dienen in erster Linie der Nahrungs- und Futtermittelproduktion und sind daher hinsichtlich einer zusätzlichen Nutzung besonders sensibel zu betrachten. Hier kommen insbesondere Flächen infrage, die aus der lanwirtschaftlichen Nutzung genommen werden oder aufgrund ihrer Standortbedingungen nur eingeschränkt landwirtschaftlich genutzt werden können. Den Schutz des Freiraums gerade im dicht besiedelten Ruhrgebiet gilt es dabei zu berücksichtigen.
Industriebrachen, die z.B. aufgrund von Altlasten, nicht ohne Weiteres wieder in die herkömmliche Nutzung gebracht werden können, ermöglichen die Energiegewinnung mit Solarmodulen. Je nach Situation kann dies die einzig mögliche Folgenutzung dieser stark beanspruchten Standorte sein. Durch die Vornutzung ist der Zugang zu Netzanschlusspunkten und damit zum Stromnetz oft gegeben, was die Realisierung von Freiflächen-PV erleichtert.
Das Ruhrgebiet als Ballungsraum verfügt über eine ausgeprägte Verkehrsinfrastruktur. Durch Autobahn- und Schienennetze erfolgt nicht nur eine Flächeninanspruchnahme, sondern auch eine Beeinträchtigung unmittelbar anliegender Flächen. Sofern diese Flächen nutzungsfrei sind, bieten sie sich für die Energiegewinnung und hier besonders für die Aufständerung von Solarmodulen an. Die konkrete Eignung hängt unter anderem von den Abständen zu Verkehrswegen, den Anforderungen an Sicherheit und Unterhaltung sowie den jeweiligen Eigentums- und Genehmigungsverhältnissen ab.
Künstliche Gewässer, die beispielweise durch den Kiesabbau entstanden sind, bleiben oft ungenutzt und sind teilweise als Badeseen wegen ihrer Gefahrenpunkte nicht geeignet. Hier bietet sich die Nutzung durch schwimmende Solaranlagen an, die je nach Situation auch zu einer Direktstromversorgung z.B. eines noch in Betrieb befindlichen Kieswerkes beitragen können.
Die Direktstromversorgung von Betrieben ist eine kostenoptimierte Möglichkeit zum Einsatz erneuerbarer Energien. Neben Dach-PV befinden sich auf großen Firmenarealen teilweise Flächen, die derzeit nicht genutzt werden oder mittelfristig als betriebliche Reserveflächen vorgesehen sind. Diese Flächen eignen sich zur Energiegewinnung mit Solarmodulen. Ideal lassen sich solche Anlagen mit Batteriespeichern kombinieren, damit den Energieabnehmern der gewonnene Strom dann zur Verfügung steht, wenn er betrieblich benötigt wird.
Vor allem bei Sonderkulturen ergibt sich die Möglichkeit landwirtschaftliche Produktion und Solastromerzeugung zu kombinieren. Besonders empfindliche Kulturen können so vor zu intensiver Sonneneinstrahlung oder Starkregen geschützt werden. Die Mehrfachnutzung der Fläche eröffnet dem landwirtschaftlichen die Möglichkeit zusätzliche finanzielle Erträge zu generieren.
Diese Nutzungsform fokussiert sich auf ehemals für die Landwirtschaft genutzte und trockengelegte Moore, die wiedervernässt werden sollen. Für diese Nutzung kommen nur stark degradierte Moorflächen in Frage. Für den Naturschutz wertvolle Moore sind für diese Nutzung nicht geeignet. Sofern diese Flächen für die Vernässung aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen werden, ergeben sich für den landwirtschaftlichen Betrieb alternative Ertragsmöglichkeiten durch die Solarstromerzeugung.
Weitere Themen
Das Ruhrgebiet bietet ideale Voraussetzungen für den Ausbau der Solarenergie.
Mehr erfahren
Wir räumen mit den häufigsten Vorurteilen gegenüber erneuerbaren Energien auf.
Mehr erfahren
Erfolgreiche Projekte aus der Region zeigen, wie die Energiewende konkret gelingt.
Mehr erfahren